RÉMI JACCARD







Geboren 1980 ... lebt & arbeitet in Zürich.






Der hundertste Affe
Ende der 1950er Jahre erforscht eine Gruppe renommierter Wissenschaftler auf der japanischen Insel Kojima die dortige Affenpopulation. Unter anderem verteilen die Forscher Süßkartoffeln unter den Tieren. Nach und nach verbreitet sich in der Gruppe die Fähigkeit, die Kartoffeln vor dem Verzehr zu waschen. Als eines Tages ein weiterer Affe das Waschen erlernt, geschieht etwas erstaunliches, das der Botaniker Watson folgendermassen beschreibt: „Mit dem Hinzukommen dieses hundertsten Affen überschritt die Zahl jedoch offenbar eine Art Schwelle, eine bestimmte kritische Masse, denn schon am Abend desselben Tages tat es fast der gesamte Rest der Herde. Und nicht nur das: das Verhaltensmuster scheint sogar natürliche Barrieren übersprungen zu haben und – ähnlich wie Glyzerinkristalle in hermetisch verschlossenen Reagenzgläsern – auch in Kolonien auf anderen Inseln sowie bei einem Trupp … auf dem Festland spontan aufgetreten zu sein.“
Der Forscher Keyes erklärt, dass die Beobachtung einem allgemeinen Phänomen entspricht: „Wenn eine kritische Anzahl ein bestimmtes Bewusstsein erreicht, kann dieses neue Bewusstsein von Geist zu Geist kommuniziert werden.“ Das Erlernen des Vorgangs durch den hundertsten Affen hat also eine Art transzendenten Lernvorgang ausgelöst – oder anders ausgedrückt: „Wenn nur genug von uns etwas für wahr halten, dann wird es für alle wahr.“







Be responsible, 2009 


Guanxi, 2009 


Chimerika, 2009 (Studie) 

Fotografie, 45 x 30 cm
Zweites Leben, 2007: Fotografie, 45 x 30 cm